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Medikamente

Schubtherapie

Als Standard des akuten Schubs gilt die intravenöse Gabe von hoch dosiertem Methylprednisolon.
Bei einem klinisch schweren Schub, der nicht ausreichend auf Kortikosteroid-Pulstherapien anspricht, kann eine zusätzliche Behandlung mit Plasmapherese in Betracht gezogen werden. (DGN-Leitlinie)

Verlaufsmodifizierende Therapie der schubförmigen MS: Medikamente

Interferone

Syn.: IFN (Abk.) von körpereigenen Zellen gebildete Substanzen (Zytokine), die das Immunsystem modulieren, die Vermehrung von Viren u. das Zellwachstum hemmen. Die Herstellung von I. erfolgt u.a. durch Gentechnologie (rekombinantes INF, rINF).

Azathioprin (z.B. Imurek)

Intravenöse Immunglobuline (IVIg)

IVIg können als Alternative in der Behandlung der schubförmigen MS bei Unverträglichkeit oder Kontraindikationen für die o.g. zugelassenen Präparate eingesetzt werden. Als wichtigste Nebenwirkungen der IVIg-Therapie bei der MS sind allergische Reaktionen, leichte Allgemeinreaktionen wie Fieber, Kopfschmerzen, Myalgien, Schwindel und Übelkeit zu erwähnen. Seltene schwerwiegende systemische Komplikationen sind ein akutes reversibles Nierenversagen und zerebrale Ischämien. (Quelle: DGN)

Mitoxantron

M. ist ein Anthrazendionderivat, das ursprünglich zur Therapie von malignen Erkrankungen entwickelt wurde. Zugelassen ist Mitoxantron unter dem Namen Ralenova zur Behandlung der progressiv-schubförmigen oder sekundär-progredienten MS (EDSS 3–6) bei Versagen oder Unverträglichkeit einer Vortherapie mit Immunmodulatoren, obwohl die Substanz in der Eskalationstherapie bisher nicht in prospektiven Studien getestet wurde. (Quelle: DGN)

Natalizumab (Tysabri®)

Einen Vortrag zum Wirkstoff Natalizumab hat Dr. med. Michael Gawlitza, Chefarzt der Neurologie der Knappschaftsklinik Sulzbach, am 24. August 2006 gehalten. Dieser Vortrag ist über die Internetseite von Dr. Gawlitza einsehbar.

Neue orale Medikamente

Zwei neue orale Medikamente haben ihre Zulassung erhalten: Fingolimod und Fampridin.
In mehreren Veranstaltungen in Dillingen, Merzig, Neunkirchen und Sulzbach haben wir über die Wirkweise, die Nebenwirkungen und die Stellung innerhalb der etablierten Therapien informiert.

Cladribine, ebenfalls ein oral gegebener Wirkstoff, führt wie Azathioprin zu einer lang andauernden Verminderung von Lymphozyten im Blut. Aufgrund des Nebenwirkunsspektrums hat Cladribine keine Zulassung durch die Europäische Zulassungsbehörde (EMA) erhalten. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten des DMSG-Bundesverbandes: www.dmsg.de

Fingolimod verhindert den Austritt der Entzündungszellen aus den Lymphknoten und damit eine Entzündung im Gehirn oder Rückenmark. Fingolimod hat die Zulassung zur Behandlung der schubförmigen MS erhalten.

Fampridin wirkt als Kaliumkanalblocker, schließt diese Löcher und verbessert die Leitfähigkeit von demyelisierten Nervenfortsätzen. Fampridin gilt als erste Behandlungsoption mit nachgewiesener Wirksamkeit bei allen Formen der multiplen Sklerose zur Behandlung der eingeschränkten Gehfähigkeit. Der Wirkstoff kann allein oder in Verbindung mit immunmodulierenden Arzneimitteln angewendet werden - sowohl bei progredienten als auch bei schubförmigen (rezidivierend-remittierenden) Verläufen der MS. 

 

Abb. Immunmodulatorische Stufentherapie bei MS