Erste Hinweise schon im 15. Jahrhundert
Bereits 1421 beschrieb der Holländer Jan van Beieren die Erkrankung der jungen Nonne Lidwina von Schiedham. Die Klosterfrau litt nach einem Sturz unter Schmerzen im Gesicht und Lähmungen in den Beinen. Später kamen weitere Beeinträchtigungen hinzu, wie die Erblindung eines Auges. Es ist allerdings unklar, ob es sich bei der Krankheit von Lidwina von Schiedham tatsächlich um MS gehandelt hat.
Als Beschreibung einer Multiplen Sklerose anerkannt sind dagegen die Aufzeichnungen des adligen Briten Auguste d`Este (1774 bis 1848). Er litt ab dem Alter von 28 Jahren an Sehstörungen, in den Jahren danach folgten Lähmungen der Beine, Schmerzen und andere typische Symptome der MS.
Krankheitsbefund am Rückenmark
Allerdings wurde das menschliche Nervensystem erst 1824 erstmals beschrieben, was erklärt, warum die Ärzte früherer Zeit die Erkrankung als solche kaum feststellen konnten.
Bereits 1835 jedoch beschrieb der französische Arzt Jean Cruveilhier (1791 bis 1873) in seinem pathologisch-anatomischen Atlas einen "sonderbaren Krankheitsbefund am Rückenmark". Und drei Jahre später berichtete der englische Pathologe Robert Carswell (1793 bis 1857) über die für die MS typischen verhärteten Rückenmarksherde als "Flecken" oder "Inseln".
Die Diagnose Multiple Sklerose (wörtlich übersetzt "vielfache Verhärtungen") wurde zum ersten Mal vom deutschen Internisten Theodor von Frerichs im Jahr 1849 gestellt. Das typische Krankheitsbild und den Verlauf der MS beschrieb schließlich erstmals der französische Arzt Jean Martin Charcot (1825 bis 1893).